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so lautet das Motto des Ignatius von Loyola, das vor über 450 Jahren zur Gründung seines Ordens geführt hat. Trotz der etwas altertümlichen Formulierung hat dieses Leitmotiv nichts an Aktualität eingebüsst. Im Gegenteil: Unter den neuzeitlichen Bedingungen hat es eine ganzmenschliche Ausweitung erfahren. Was ist damit gemeint? Ein autobiographischer Hinweis mag dies erläutern. Als ich 1984 ins Noviziat der Jesuiten eintrat, hatte ich am C.G. Jung-Institut in Zürich gerade das Therapeuten-Diplom erworben. Kamen da nicht zwei ganz verschiedene Welten zusammen? Keineswegs! Ich machte nämlich die Erfahrung, dass die dreissigtägigen Exerzitien des Ignatius Kernstück des Noviziats meinen tiefenpsychologischen Einsichten nicht widersprachen. Vielmehr ergänzten und vertieften sich beide Sichtweisen gegenseitig. Dies hat sich auch in meiner Tätigkeit als geistlicher und therapeutischer Begleiter bestätigt. Viele, die zu mir in die Beratung kommen, wissen darum, dass ich Jesuit und zugleich Therapeut bin. Das mag mit ein Grund sein, weshalb sie sich gerade an mich wenden. Dennoch legen wir zu Beginn der Begleitung fest, wo wir den Zugang zu den anstehenden Fragen suchen. Bei allem Unterschied in der Ausgangslage zeigt sich jedoch, dass zwischen der rein psychologischen und der spirituellen Ebene keine klare Grenzziehung möglich ist. Der Mensch ist eben bei aller Vielschichtigkeit doch ein unteilbar Ganzes. Dies wird auch bei jeder Art von Begleitung erfahrbar. Nicht selten führt der Weg religiös Suchender durch psychische Schwierigkeiten hindurch, die sich nicht einfach durch geistliche Übungen auflösen lassen; sie fordern eine tiefere Klärung und Integration. Ab und zu werden mir von Menschen, die ich spirituell begleite, Träume gebracht, deren Deutung sich für das Verständnis ihrer Entwicklung als sehr hilfreich erweist. Umgekehrt werde ich von Menschen, die sich als Agnostiker bezeichnen und die mich aus therapeutischen Gründen aufsuchen, immer wieder auf Sinnfragen hin angesprochen. Dies entspricht der Erfahrung C.G. Jungs, dass nämlich die Probleme der zweiten Lebenshälfte meist einen religiösen Hintergrund haben. Ignatius von Loyola war nicht nur ein begnadeter Seelenführer; er war auch ein hervorragender Seelenkenner. Das wird in den «Geistlichen Übungen», vor allem in den Regeln zur «Unterscheidung der Geister» und in vielen seiner Briefe reichlich dokumentiert. Wer sich auf das Kerngeschäft seines Ordens, nämlich auf die Exerzitienarbeit und die geistliche Begleitung einlässt, tut gut daran, neben der spirituellen auch die psychologische Seite ernst zu nehmen. Nicht jeder braucht Therapeut zu werden. Doch jeder sollte für psychische Probleme und Zusammenhänge sensibilisiert sein und seine Grenzen kennen! Das meint wohl heute der Grundsatz des Ignatius: DEN SEELEN HELFEN.
Bruno Lautenschlager SJ, Fribourg
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